BUS STOP IN THE RAIN, Berlin, 22.09 / 31.12.2012.

Nach den Metamorphosen des Körpers auf den Leinwänden der fünfziger und sechziger Jahre und dem zeitgleichen Wandel des Leibs zum Material der Kunst,

stellt sich heute die Frage, was Porträt noch sein kann. Wie legitimiert es sich, wenn es nicht als photographisches Abbild entsteht? Was vermag es zu erreichen, wenn es an eine epochenüberdauernde malerische Tradition anschließt? Salustiano wendet sich dem Bildnis zu, als einmal mehr das Ende der Malerei proklamiert wird. Mit Marlene Dumas oder Elizabeth Peyton ist er einer der wenigen, die zu Beginn der neunziger Jahre die eigene Entwicklung in der Auseinandersetzung mit einem klassischen Genre suchen. Damals rezipieren seine Arbeiten das Vorbild der Renaissance in mehr als der malerischen Technik. Porträts seiner Ehefrau, seiner selbst und einiger enger Vertrauter verschmelzen auf den Leinwänden mit biblischen und mythologischen Sujets.

Hier wandelt sich die Farbe des Bildgrundes erstmals von einem stucco-artig blassen Rot zu der vibrierenden Farbfläche, die als absolute Größe jedes von Salustianos Bildern zum offenen Kunstwerk macht. In Konsequenz lösen sich die Figuren von ihrer Darstellung im strengen Profil und richten den Blick auf das Gegenüber außerhalb der Leinwand. Mit dieser Ausrichtung auf den Betrachter gewinnen die Porträtierten auch ihre Zeitlichkeit zurück. Waren sie in den Bildzyklen der Jahrtausendwende nahezu vollständig der eigenen Epoche entkleidet, beginnt Salustiano mit „¿Me quieres?“ auf Kopfbedeckung und neutrale Stoffbekleidung zu verzichten. Insbesondere die Graphitarbeiten verwenden nun differenzierende Elemente wie Schmuck- und Kleidungsstücke, Haupt- oder Barthaar.

Texto Nadine Engel.

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